
Mit einer Höhe von 2.969 m zählt der
Plattkofel zu den leichteren Dolomitengipfeln um 3.000 m Höhe. Bestiegen sind wir den Gipfel 1990 als Intermezzo einer selbst geführten Hüttentour und waren vom Gipfelpanorama begeistert. In unserer Erinnerung ist der Anstieg auf der Normalroute ab der
Plattkofelhütte (2.300 m) einfach und in wenig mehr als einer Stunde zu bewältigen. Im September 2015 wollten wir eine Jubiläumsbesteigung feiern, haben die Tour aber schließlich abgebrochen (
Plattkofel-Wanderung September 2015). Bei stabilem Bergwetter eines Zwischenhochs nehmen wir heute einen neuen Anlauf und kehren kurz vor dem Gipfel um. -
Fotogalerie

Um Zeit zu gewinnen, gehen wir nicht vom
Sellajoch zur
Plattkofelhütte, sondern starten von der
Seiser Alm. Zeit lässt sich nur bei Nutzung des Almbusses Linie 11 von Compatsch nach
Saltria (4 € pP) sowie des
Florianlifts von
Saltria zur
Williamshütte (16,50 €) gewinnen. Unsere prinzipielle Abneigung gegen Seilbahnen und Sessellifte stellen wir heute zurück. Um nicht zusätzlich 17 € für den Parkplatz in Compatsch oder 15 € pP für die
Seiser Alm Bahn zu zahlen, brechen wir früh auf (Zufahrt für private Pkw's bis 9:00 Uhr oder ab 17:00 Uhr) und parken kostenlos auf dem Parkplatz P1 am Spitzbühllift zum Preis von 20 Minuten Weg und 100 m Höhendifferenz pro Strecke.

Das Panorama an der
Williamshütte (2.100 m) ruft nach Fotos. Soviel Zeit muss sein. Auf dem Weg passieren wir die Baustelle des
Berghauses Zallinger (geschlossen), ab dem der Wirtschaftsweg zur Plattkoffelhütte kräftig ansteigt. Nach 45 Minuten ist die Plattkofelhütte (2.300 m) erreicht. Vor 2 Jahren war die Hütte eine Großbaustelle mit laufendem Betrieb. Aktuell präsentiert sich die ehemalige 'Hütte' nun eher als ein 'Berghotel'. Am Morgen treffen wir auf wenige Besucher, weil der Besucherstrom vom Sellajoch auf dem Friedrich-August-Weg noch spärlich tröpfelt.

Der Weg zum Gipfel beginnt im Gelände vor der Platte autobahnmäßig. Aus der Distanz vermittelt die Platte des Bergrückens den Eindruck eines homogenen, festen Gesteins. In der Realität dominieren Schotter, Geröll und felsige Passagen im zerklüfteten Gelände. Das Gebiet der
Langkofelgruppe (dem der Plattkofel geologisch zugeordnet wird) ist in der mittleren
Trias als Korallenriff im tropischen Flachmeer entstanden. Die Platte ist der Rest einer ehemals unterseeischen Kalkablagerung. Tektonik hob die Berggruppe an die Oberfläche. Erosion hat den Kern brüchigen
Kalksteins
als Gebirgskranz freigelegt.

Der Gipfelanstieg ist auf der unteren Hälfte für erfahrene Bergwanderer unschwierig. In der oberen Hälfte wird der Weg hochgebirgstypisch zunehmend anspruchsvoller und verliert sich im Geröllfeld meistens ohne Markierungen in mehr oder weniger parallel verlaufenden Steigspuren, zwischen denen sich Wanderer entscheiden müssen (
T2-T3). Wir orientieren uns an vorausgehenden oder absteigenden Wanderern und finden eine passable Route.

Nach ca. 1:30 Std. stehen wir max. 100 m unter dem Mittelgipfel (2.958 m), von dessen Gipfelkreuz nur mitunter die Spitze zu sehen ist, weil es nicht auf dem Grat, sondern etwas weiter nördlich versetzt aufgestellt ist. Wir erinnern uns an eine Route, die in Richtung des schwierigeren Südostgipfels (2.969 m) zum Grat ansteigt und auf dem Grat zu beiden Gipfeln verzweigt. Frische Markierungen weisen dagegen ziemlich direkt und weglos auf steilen Felspassagen in die Höhe (
T3-T4). Die Situation überrascht, weil Webseiten diesen Routenabschnitt nicht beschreiben. Das Gefühl abnehmender Beherrschbarkeit des Geländes verunsichert beim Gedanken am schwierigeren Abstieg und veranlasst zu einer kurzen Beratung, als deren Ergebnis wir die Umkehr beschließen. Bei Nachfragen erfahren wir von Einheimischen, dass die Normalroute vor einigen Jahren nach Felsstürzen verlegt wurde.

Auf dem Rückweg würde uns eine Einkehr in der Plattkofelhütte gefallen, aber die Hütte ist derart überfüllt, dass sich Fluchtgedanken durchsetzen. Unsere Rast verlegen wir auf die Rückkehr in der
Villa Tilia in
Seis am Schlern. (4:40 Std. Gesamt-Gehzeit)
Trotz fehlendem Anschlag am Gipfel und teilweisem 'Overcrowding' auf der Route betrachten wir unsere Abschlusstour in den Dolomiten nicht als 'Reinfall', sondern als 'Lektion' mit großartigem Dolomitenpanorama.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen